Rookie René Jordan finisht in 10:07 den Ironman Roth

René Jordan trainiert bereits seit 2014 nach meinen Trainingsplänen und ist ein sehr beliebtes TEAMmitglied. Jedes Jahr gelingt es ihm besser zu werden, dabei zeigt er Geduld, macht gewissenhaft sein Stabiprogramm, was meiner Meinung den Schlüssel seines guten Abschneidens in Roth war. Keiner lief bis zum Schluss mit so einer aufrechten Haltung wie René! Nochmals herzliche Gratulation zur tollen Leistung! Lest den Beitrag von René über seinen ersten Ironman:     Die Entscheidung, an einer Triathlonlangdistanz teilzunehmen, war für mich über die Jahre seit 2010 mit jeder neuen Distanz, die ich mir vornahm, Schritt für Schritt gereift. Anfangs schien das unvorstellbar, spätestens seit der dritten Mitteldistanz in Moritzburg 2016 erschien mir die Langdistanz aber fast realistisch. So benötigte es im Juli 2016 nur noch den einen Funken: Ralle und Jana standen an der Strecke, um Sportfreund Jens zu supporten und kamen tags drauf – wie das so ist – an der Anmeldeschlange für 2017 am Festzelt in Roth vorbei. So ergab sich für mich die Gelegenheit, die ich kurz mit Anita absprach, 2017 auf der Challenge Roth zu starten. „Mach es!“ waren auch Simones Worte. Na dann stand der Plan ja fest. Einige Intervalle im winterlichen Ostragehege, lange Läufe durch den Zschoner Grund später sowie nach erfolgreichem Mallorcatrainingslager stand ich nun da: Auf dem Weg ins fränkische Roth, wo sich seit 33 Jahren Triathleten auf der Langdistanz messen. Den Wohnwagen hatte ich schon am Dienstag der Wettkampfwoche gepackt und mit allerlei Ausrüstung vollgestopft. Am Abend des Dienstags der Wettkampfwoche kam ich dann endlich am Campingplatz in Hilpoltstein an, unweit des Main-Donau-Kanals, wo wenige Tage später der Schwimmstart stattfinden würde. Der Platz war zwar bereits gut gefüllt und allerlei Triathlonvereine hatten quasi mit Handtüchern „ihre Reviere“ abgesteckt, den Zugang zu einem Stellplatz mit Stromanschluss verschaffte mir aber dennoch durch seine früh morgendliche Abreise ein älteres Rothseeferientouristenehepaar, das sich wohl von den Sportlern und ihrem Adrenalin ein wenig gestört gefühlt hatte. Frühes Aufstehen – wie die älteren Herrschaften! Das hatte sich schon in der Schwimmhalle zur der Zeit der Vorbereitung gut ausgezahlt! Leider hatte sich seit Montag bei mir eine leichte Ohrenentzündung breitgemacht, so dass ich mich in den kommenden Tagen noch gut auf die mitgenommene Arbeit konzentrieren konnte und sportlich eher zum Stillhalten gezwungen war. Nun gut, wie dem auch sei. Ich pflegte die Entzündung und bereitete mich eher theoretisch zusammen mit dem anderen René auf den bevorstehenden Wettkampfsonntag vor. Wie sich das gehört und wo man auch nicht drum rumkommt, wenn man zum allerersten Mal auf der Langdistanz startet, sind auch wir über die Triathlonmesse gestiefelt und haben uns mit den letzten scheinbar noch fehlenden Tools und Mittelchen eingedeckt. Bis zum Wochenende stieg die Spannung natürlich noch weiter an und zwar je mehr bekannte Gesichter auf dem Wettkampfgelände eintrafen: Mutter und Schwester, die Freundin Anita, die Sportfreunde von Simones Ausdauertrainingsteam und jeder Menge Wegbegleiter aus der Dresdner Triathlon Community! Das hat mich schon sehr gefreut! Der Vorwettkampftag war dann auch ohne weitere Umschweife ran, die Zeit vergeht ja wie im Flug in so einer Vorbereitungsphase und in Roth scheinbar besonders schnell. Am Samstag hatten sich meine Ohrenschmerzen auch vollständig verabschiedet und ich konnte die letzten beiden Einheiten, kurzes Koppeltraining sowie Anschwimmen im Main-Donau-Kanal auf der Wettkampfstrecke mit dem Ausdauertrainingsteam, absolvieren. In der Nacht zuvor hatte ich recht schlecht geschlafen, da bereits jetzt alle Eventualitäten des langen Sonntags durchdacht werden wollten. So erschien es mir dann auch sinnvoll gleich um 5:45 Uhr aufzustehen und das Koppeltraining hinter mich zu bringen. Nicht optimal, aber irgendwann im Laufe des Tages musste ich die Einheiten ja abarbeiten. Alles lief bis dahin gut und so hatte ich auch bereits um 7 Uhr das Material eingefahren und -gelaufen. Anschließend noch schnell zum Schwimmen, kurzer Schwatz mit den Sportfreunden und ab zum Mittagsschlaf. Der lief nach den schlaflosen Stunden um so besser. Die kommende Nacht konnte ich glücklicherweise recht gut schlafen. René hatte sich das zweite Bett im Wohnwagen gesichert und so klingelte der Wecker für uns beide um 4.30 Uhr am Sonntag, den 09.07.2017! Endlich fand die Spannung ihren Weg! Nach den letzten motivierenden Worten von Simone und Ingolf, Anitas Kuss und Mutters & Schwesters Stolzbekundungen war dann auch nicht mehr viel Zeit bis der Startschuss um 07.05 Uhr für mich fiel! Das Schwimmen über die 3,8km ging ich bewusst sachte an, um hoffentlich schnell den Rhythmus zu finden, was mir sonst regelmäßig schwerfiel. Dieses Mal nicht! Das Wasser griff sich gut und der Druck war an den Händen spürbar. Ich schwamm wie ein Delphin! Ruckzuck war ich hinten an der Wendeboje, der 1,5km-Marke. Ich überholte eine Reihe von Athleten - auch aus der vorherigen Startgruppe - und fühlte mich bestens! Das kommt im Wasser für mich nicht so oft vor. Das gute Gefühl hielt sich auch wacker bis ich an Land ging … nach 1:17h … da stellte sich dann Ernüchterung ein. Das war sehr weit von den geplanten 1:10h weg, aber was soll´s ab jetzt geht´s nur noch vorwärts, denn Radfahren konnte ich und hart laufen hatte ich in Rapperswil schon getestet! Die Radstrecke hatte ich um Pfingsten bereits abgefahren und kannte die Schlüsselstellen recht gut: die Anstiege, Greding, Solarer Berg und auch die flacheren Passagen, wo der Wind gut antreiben kann, wenn er gut steht bzw. bremsen, wenn er das nicht tut. Er stand sehr gut! Nach etwa 2 Stunden kam ich zum ersten mal am Solarer Berg an, dem Berg der eigentlich eher ein Hügel ist, aber dessen Mythos ihn zum 8000er der Atmosphäre macht! Von allen Seiten wurden wir Athleten angefeuert, die Leute standen nur wenige Zentimeter vom Lenkergriff entfernt und feuerten uns an. An Geschwindigkeit dachten hier vermutlich nur die Profis, ich kam bei dem Erlebnis aus der Freude gar nicht wieder heraus! Es war fantastisch, aber leider auch viel zu schnell wieder vorbei. Gut ernährt hatte ich mich bisher und auch Mineralstoffe in Form von Salztabletten ausreichend zu mir genommen. Mit einer Wasserflasche hatte ich mich immer wieder gekühlt und sah mich so gut für den abschließenden Marathon vorbereitet. Der würde wegen der erwarteten Temperaturen um die 30°C sehr strapaziös werden. Zunächst musste ich aber die zweite und letzte Radrunde über knapp 90km absolvieren, weiterhin konzentriert bleiben und nicht zu viel Kraft verschießen. Noch ein zweites Mal über den Solar Hill in die atemberaubende Atmosphäre eingetaucht und die letzten 20km zur Ernährung genutzt und dann war ich auch schon in Roth! Nach 5:11h – das war eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 34,4km/h und schneller als die angepeilten 5:15h. Hier beginnt der härteste Teil des Rennens! Würden die Kräfte reichen, greift meine Tempotrategie, sind 4.45min/km zu hart? Die ersten Kilometer gehen auch auf der neuen Laufstrecke relativ moderat und ohne wesentliche Anstiege von statten. Doch ich war etwas zu schnell und erkannte das auch bereits am Main-Donau-Kanal. Die Beine waren zwar locker, aber dennoch spürt man, wenn ein Tempo auf die Marathondistanz bereits auf dem ersten Viertel zu ambitioniert ist. Also: Tempo reduzieren, Aufwände sparen! Das war im Nachhinein betrachtet die aller wichtigste Entscheidung, wenn ich das Rennen zu Ende laufen wollte. Die Temperaturen stiegen so ganz langsam über 30°C und meine Ernährungsstrategie aus abwechseln Salz/Wasser und Gel/Wasser griff vollständig: während das Leiden anderer Athleten bereits auf der ersten Runde in Richtung Büchenbach an den drei neu in die Strecke aufgenommenen Anstiegen begann, war ich zwar deutlich langsamer als zu Beginn des Laufes, aber ohne energetische oder Flüssigkeitsprobleme bis hierher gekommen. Das Publikum und das Ausdauertrainingsteam Dresden unterstützten mich fantastisch. Simone gab ich noch kurz die Laufdaten durch und freute mich, dass Ingolf sich so über meinen Lauf freute! Nach etwa 1:45h passierte ich die Halbmarathonmarke! Ab jetzt werden die Kilometer nur noch rückwärts gezählt! Jetzt entscheidet der Kopf! Dort traf ich auch auf Anita, die gerade noch auf ihre Staffel wartete und mir noch einen freudigen Kuss zuwarf! Ich war weiterhin voll im Soll und eine Zielzeit von 10:10h schien mir weiterhin machbar! Das wäre ein großer Erfolg, zwar keine Sub10, aber eine klasse Leistung! Also arbeitete ich dafür, getragen vom Publikum. Doch es wurde immer härter. Jetzt zahlte sich aus, dass ich meine Tempostrategie frühzeitig korrigiert hatte! Die Kräfte schwanden mit jedem zweiten Kilometer und so lief ich nur noch von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Hatte ich letztens Salz oder Gel genommen? Im Zweifel lieber ein weiteres Gel! Der Magen murrte weiterhin nicht und so konnte die Entscheidung nicht so völlig falsch gewesen sein. Ein letztes Mal über den Marktplatz Roth und den Stolz von Mutter und Schwester abgeholt und da waren auch schon wieder die „Berge von Büchenbach“ so viel Leiden habe ich noch nicht gesehen! Der überwiegende Teil der Athleten ging hier hoch! Mein Kopf sagte: „Hier gehst du nicht! Du kannst in der Verpflegungszone langsam traben! Nicht vorher!“ Also gaben die Arme weiterhin den Rhythmus vor! Ein letztes Mal die Trainerin passieren und dann kam auch schon Chrissi Wellington vorbeigelaufen! Wo kam die denn her?! „Go Chrissie, Go“! rief ich. „You´re doing a good job!“ erwiderte sie noch und weg war sie. Keine Chance dran zu bleiben. Aussichtslos. Verwalte den Verfall, der jetzt nicht mehr zu kaschieren war. Die letzten beiden Kilometer! Jetzt stieg die Stimmung und die Endorphine trieben mich an, so dass an Umkippen auch einfach nicht zu denken war! Ralph und Jana empfingen mich bei etwa 41,5km mit den letzten aufmunternden Worten: „Scheiss auf die letzten paar Sekunden! Genieße die Atmosphäre! Das tat ich dann auch in vollen Zügen! Darauf hatte ich beinahe ein Jahr lang hingearbeitet, mich vorbereitet! Da war das Zielstadion von Roth! Mehr als 220km in reichlich 10 Stunden hatte ich erfolgreich absolviert! Atemberaubend, diese Atmosphäre werde ich nie vergessen! Völlig außer Kräften blieb ich im Ziel stehen, wo ich die hart erarbeitete Medaille umgehängt bekam! Die Familie mit Mutter und Schwester warteten auch schon auf mich und waren ganz außer sich vor Freude und Stolz! Sie hatten wohl zuvor Zweifel, ob ich das schaffe? Nein, vermutlich nicht, es war einfach auch für sie überwältigend, was hier in Roth für alle Beteiligten aufgefahren wird! Für mich endete dieser lange Tag zunächst in der Athletes Area, wo Fußbäder, reichlich Essen, Getränke sowie Dusche und Massagen bereit standen. Doch hier wandelte sich auch eine Ansicht! Das „Nie wieder!“ vom Marathon wich dem „10:07h?! Hier geht noch was!“ Nicht 2018, aber vielleicht 2019! Einen ganz herzlichen Dank möchte ich noch loswerden! An Simone für die Unterstützung und Vorbereitung auf diesen großen Tag, aber natürlich auch an meine Teamkolleginnen und Teamkollegen, die von zu Hause aus oder sogar an der Strecke mit mir mit gefiebert hatten! Mutter und Schwester bekommen auch einen besonderen Gruß, genau wie Anita, die meine Nerven immer wieder zu spüren bekam. Das war großartig!

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